Darstellung und Beschreibung des Projekts

Entstehung des Projektes 100.000 Mund-Nasenabdeckungen für den Landkreis Hameln-Pyrmont am 29.03.2020

Ausgangssituation:

Ende März 2020 ist auf Grund der weltweiten Corona-Lage in Deutschland ein Engpass in der Beschaffung von Schutzkleidung, insbesondere Atemschutz- Masken für die Akutkrankenhäuser und Kliniken entstanden. Der Bund und die Landesregierungen in der Bundesrepublik haben die Krankenhäuser in dieser außerordentlichen Notsituation bei der Beschaffung des medizinischen Materials unterstützt.

In den Kommunen befinden sich neben den Krankenhäusern aber auch Senioren-pflegeheime, Behinderteneinrichtungen, Mobile Krankenpflegedienste, Tagespflege für Senioren und vergleichbare Einrichtungen. Pflegepersonal kann auf Grund seiner Tätigkeiten (Unterstützung in der Körperpflege und beim Essen) den geforderten Sicherheitsabstand von 1,5 Meter zu den pflegenden Personen nicht einhalten. Für diese Einrichtungen war es zu diesem Zeitpunkt fast unmöglich über die bisherigen Zulieferer oder den Handel Schutzkleidung insbesondere Masken, die auch als Spuck-Schutz dienten, sowohl für Mitarbeiter als auch für Pflegebedürftige zu erwerben.

Die Idee von Udo Stenger aus Salzhemmendorf lag darin, dass sich jeder Landkreis über das Ehrenamt organisieren sollte, um übergangsweise die benötigten Mund-Nasenbedeckungen selbst herzustellen. Damit könnte der zusätzlichen Bedarf auf Landkreisebene (Hilfe zur Selbsthilfe) für soziale Einrichtungen, Betriebe mit Kundenkontakt und der Bevölkerung so lange gedeckt werden, bis eine gewerbliche Produktion aufgebaut ist und den Bedarf in Deutschland wieder über den Handel abdecken kann. Dafür entwickelte er am 29.03. ein Konzept für den Landkreis Hameln-Pyrmont, das er schriftlich zusammenfasste mit dem Arbeitstitel:

„100.000 Mund-Nasen-Abdeckungen für den Landkreis Hameln-Pyrmont“ und das er dem Corona-Krisenstab des Landkreises Hameln-Pyrmont vorlegte.

Auszüge und Zusammenfassung aus dem Ursprungskonzept:

Es wurde vorgeschlagen ab 30.03. 2020 in allen geschlossenen Schulen des Landkreises und deren Kommunen ehrenamtlich 100.000 Mund-Nasen-Abdeckungen zu nähen und an die Seniorenheime und Tagespflegeeinrichtungen u. dgl. und anschließend auch an die Bewohner des Landkreises zu verteilen. Das Projekt sollte beginnen in der Grundschule Bisperode mit 8-12 ehrenamtlichen Näherinnen in 4 Klassenräumen. Der Bürgermeister des Schulträgers, Herr Ulrich Peschka sagte sofort die volle Unterstützung zu und willigte als Vertreter des Schulträgers in die Nutzung des Grundschulgebäudes während der Schulschließung ein. Die Materialkosten wurden auf ca. 22.000 € geschätzt. Die gesamte Aktion sollte nach 4 Wochen – bei einer Beteiligung von sieben Kommunen unter Federführung des Landkreises- abgeschlossen sein. Die notwendigen Maßnahmen wurden unverzüglich eingeleitet, damit 12 Stunden später mit dem Nähen begonnen werden könnte. Ein Mitglied des Krisenstabes hatte sich die Räumlichkeiten vor Ort angesehen und das Konzept mit Herrn Stenger und Herrn Bgm. Peschka befürwortend besprochen.

Leider sah der Landkreis in seiner Krisensitzung am Montag, den 30. März 2020 nicht die Notwendigkeit, Masken zu nähen und an die Einrichtungen auszugeben, da er zu diesem Zeitpunkt davon ausging, dass die Bestellungen für Mundschutz auf dem freien Markt ausreichen würden um den Bedarf der Einrichtungen kurzfristig zu decken. Im Übrigen sei das Tragen von Mund-und-Nasenabdeckungen aus Baumwollstoff umstritten.      – Im nach hinein – welch ein Trugschluss!

Trotz dieser Entscheidung des Krisenstabes ließ sich Herr Stenger mit Unterstützung des Bürgermeisters Ulrich Peschka nicht von der notwendigen Umsetzung seiner Idee entmutigen. So wurde aus der „Initiative Hilfe zur Selbsthilfe Weserbergland“ eine Initiative „Hilfe zur Selbsthilfe Coppenbrügge-Salzhemmendorf“.

Unter dem Motto „Bleiben Sie gesund“ haben dann gut eine Handvoll Einwohner aus Coppenbrügge und Salzhemmendorf  das Organisationsteam als Projektleitung zur „ehrenamtlichen Maskenproduktion“ gebildet.

  • Am 30. März 2020 mit 12 Näherinnen und 5 Organisatoren gestartet, nähten in den vergangenen Wochen bis zu 80 Näherinnen und ein Näher für die Initiative.
  • Das Orgateam organisierte einen Fahrdienst über die ehrenamtlichen Fahrer der Bürgerbusse in Coppenbrügge und Salzhemmendorf, der zwei Mal in der Woche die gefertigten Masken von den Näherinnen abgeholt und sie mit neuen Stoffen, Gummiband und Nähgarn beliefert hat.
  • Die 80 Näherinnen waren Frauen, die überwiegend zwischen 60 und 80 Jahren sind und größtenteils zu den gesundheitlichen Risikogruppen der Corona-Pandemie gehören. In den ersten Wochen der Unsicherheit der Pandemie, sollten alle zu Hause bleiben. Die Ältere sollten möglichst auch keinen Kontakt zu ihren Familien (Kindern und Enkelkindern) haben, weil niemand wusste, wie hoch das Ansteckungsrisiko ist. Das Bedeutete gerade für diese Menschen eine besondere Isolation. Da war die Aufgabe des „Nähens der Masken“ für diese Frauen eine besonders wichtige Beschäftigung, um zum Einen die eigenen Ängste zu überwinden und zum Anderen die Zeit der Zwangspause zu Hause mit etwas sinnvollem zu füllen, das der Allgemeinheit zu Gute gekommen ist.
  • Die selbstgenähten Masken wurden zuerst an das Personal in den Senioreneinrichtungen sowie den Pflegediensten der häuslichen Pflege abgegeben (unter dem Punkt Ziele und Zielgruppen finden sie eine Aufstellung an wen die Masken ausgeliefert wurden).
  • Bereits ab dem 11. April 2020 wurden die Mund-und Nasenabdeckungen unserer Initiative auch zum Eigenschutz der Bevölkerung in den Apotheken im Flecken Coppenbrügge und Salzhemmendorf gegen eine Spende abgegeben (Ab dem 27. April 2020 wurde in Niedersachsen die allgemeine Maskenpflicht für die Bevölkerung verhängt).

Ergänzend wollen wir noch darauf hinweisen, dass es noch eine Besonderheit gab. Da die Nachfrage nach Masken in den Apotheken derart groß war, dass wir mit der Produktion trotz 80 Näherinnen nicht nachkamen, hat das Orga-Team die Idee verwirklicht eine Internetseite einzurichten, dort eine schriftliche Nähanleitung einzustellen und einen selbst gedrehten Video Film abspielen zu lassen, bei dem das Nähen einer Maske in einzelnen Schritten vorgeführt wurde. Dann wurden Briefumschläge gedruckt und mit zugeschnittenem Stoff und notwendigem Gummiband zum Selbstnähen von 2 Mund- Nasenabdeckungen befüllt. Diese Umschläge –siehe als Anlage – wurden ebenfalls in den Apotheken gegen eine geringe Spende ausgegeben. Auch diese Aktion fand in der Einwohnerschaft der Gemeinden Anklang.

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